SEV - Quo Vadis
Per Zufall habe ich bei einem gemeinsamen Preisrichtereinsatz in Winterthur von Ruth Schaub erfahren, dass die nächste Ausgabe des "Schweizer Eislauf" die letzte sein wird. Mit grosser Betroffenheit habe ich diesen abrupten, und wie mir scheint, auch eigenmächtigen Beschluss des SEV-Zentralvorstandes zur Kenntnis genommen. Von meiner langjährigen Teilnahme an SEV-Delegiertenversammlungen (als Clubdelegierte und später als ZV-Mitglied) erinnere ich mich klar, dass die Delegierten verschiedentlich über Entwicklung und Zukunft unserer Verbandszeitschrift diskutieren und demokratisch abstimmen durften. Wieso nun eine so folgengewichtige Entscheidung plötzlich nur noch in den Händen des ZV oder einzelner diktatorischer ZV-Exponenten liegen soll, ist mir unverständlich.
Ich weiss, dass es in den letzten Jahrzehnten nie gelungen ist, durch eine Aufstockung der Abonnenten den "Schweizer Eislauf" auf der Gewinnseite unserer Jahresrechnung unterzubringen. Ausserdem wurde es dauernd schwieriger, Inserenten für unser "Heftli" zu finden. Ob in dieser Beziehung auch die Akquisitionsanstrengungen der SEV-Finanzverantwortlichen dieselben sind wie vor 25 Jahren?
Ich wage zu behaupten, dass im letzten Vierteljahrhundert der Leserservice im "Schweizer Eislauf" schmerzlich abgebaut wurde. Notwendige und beliebte Informationen (gelbe Seiten) wurden schon vor Jahren herausgestrichen, sodass eine Vielzahl von Abonnenten von einem funktionierenden Informationsfluss im Club abhängig wurden. Der Inhalt der Zeitschrift, wie er sich heute präsentiert, ist für viele Leser zu wenig attraktiv, weil fast überall der persönliche Bezug zum geschilderten Geschehen fehlt. Vielleicht erwartet man im Zeitalter des Internet und der E-Mails von einem Verbandsorgan, das unsere schweizerische Eislauf gemeinde ja auch zusammenschweissen sollte, mehr als nur eine Vielzahl von eher faden Kurzmeldungen?
Ich nehme nicht an, dass mein Ausdruck des ehrlichen Bedauerns den Beschluss der ZV-Gewaltigen umstossen kann. Machen wir uns also einige Gedanken, woher in Zukunft die nötigen und von Clubfunktionären, Trainern, Läufern und Eltern gewünschten Informationen kommen sollen. Für die Deutschschweiz vielleicht ein Schweizer-Fenster im deutschen "Eissport Magazin" - für die Romandie dasselbe im französischen "Patinage Magazine"? Welche Lösung bleibt für das Tessin? Möglicherweise dieselbe, die sich für alle Teile der Schweiz ins Auge fassen liesse: Mut, Initiative und Tatkraft der Regionalverbände und geeigneter PR-Verantwortlicher sind gefragt!
Den Exodus des "Schweizer Eislaufs" möchte ich jedoch - solange ich eine grössere Anzahl von Eislauf-Interessierten in der Schweiz über die letzte publizierte Nummer unseres Heftes noch erreichen kann - dazu benützen, Ruth Schaub meinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Als ehrenamtliche SEV-Mitarbeiterin "hors comité" hat sie jahrelang mitgeholfen, den "Schweizer Eislauf" am Leben zu erhalten. Dass in den 13 Jahren ihres Einsatzes zur vorerst rein administrativen Ar-beit (Versand, Abonnentenkontrolle, Lay out) mehr und mehr redaktionelle Aufgaben (Artikelkürzungen, Uebersetzungen) gekommen sind, lässt uns ahnen, dass der "Schweizer Eislauf" ohne Ruth Schaub schon längst das Zeitliche gesegnet hätte. Liebe Ruth, als ehemalige Redaktorin und Administratorin des Winterthurer "Eis-Plausch" kann ich beurteilen wieviele Arbeitsstunden, aber auch wieviel Brainstorming, ja Herzblut du in den "Schweizer Eislauf" investiert hast. Nochmals herzlichen Dank und mein persönliches grosses Kompliment!
Marianne Bühler
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- 2004 Wolfgang F. Stummer
Last Up-date:
20.05.2004